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Geschichte

Die Geschichte unserer Genossenschaft umfasst mehr als 115 Jahre und ist dementsprechend lang. Wir möchten versuchen, Ihnen einen umfassenden, aber dennoch verkürzten Überblick über unsere Geschichte zu geben. Sollten zeitliche Daten Ihr verstärktes Interesse geweckt haben und Sie weitere Informationen wünschen können Sie sich gerne bei uns melden.

1900-1925

Unsere Genossenschaft wurde am 26. August 1900 als „Spar- und Bauverein Lippstadt“ gegründet und ist somit wohl das älteste Wohnungsunternehmen in der Region des Altkreises Lippstadt. Der Gründung vor nunmehr 100 Jahren lag das Bedürfnis der Bevölkerung zugrunde, in ordentlichen und sicheren Wohnungsverhältnissen leben zu können. Es fehlte damals an Mietwohnungen für die Menschen, die vom Lande in die Stadt kamen, um in der aufblühenden Industrie Arbeit und Brot zu finden. So fanden sich am 26. August 1900 fünfzig Männer zur Gründung eines Bauvereins zusammen.

 Als am 16. Oktober 1900 die Eintragung in das Genossenschaftsregister des Königlich Preußischen Amtsgerichts Lippstadt erfolgte, war die Mitgliederzahl schon auf 77 angewachsen. Die Geschichte der Genossenschaft begann mit dem Fehlschlag, als das erste Bauprojekt in Angriff genommen werden sollte. Man hatte an der Rixbecker Straße ein Grundstück erworben und wollte es mit einem Mietshaus bebauen. Aber weder die Hypothekeninstitute noch der Magistrat der Stadt, an den ein Bittgesuch um Unterstützung gerichtet worden war, wollte Hypotheken für dieses Vorhaben hergeben: Die Sicherheitsgestellung reiche nicht aus, so wurde dem Vorstand mitgeteilt. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl in dieser Zeit auf Einhundert. Nachdem angesehene Bürger Genossenschaftsanteile und Bürgschaften übernommen hatten, vermittelte die Landesbank Münster im Jahre 1902 ein Hypothekendarlehen vom 36.000,00 Mark, die Stadtsparkasse gewährte ein Darlehen von 15.000,00 Mark. Mit dem inzwischen angesammelten Eigenkapital und den Fremdmitteln gelang es dann, ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen und 818 qm Wohnfläche an der Rixbecker Straße zu errichten. Dieses Haus ist heute wegen seiner weiterhin guten Lage und fortlaufend betriebener Modernisierungen bei Wohnungssuchenden nachgefragt.

Nach einer gewissen Stagnation und einem Abschnitt des Atemholens bis 1905 erwarb die Genossenschaft Grundstücke an der Möller- und Preußenstraße. Diese wurden noch im gleichen Jahr bebaut. Die dortigen Häuser waren nach mehr als 100 Jahren nicht mehr sanierungsfähig und werden seit 2016 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt.

In den Jahren 1906 bis 1909 wurden quasi im „Bauträgergeschäft“ Häuser errichtet, die in das Eigentum der Mitglieder übergehen sollten. Dies war aber nach der Errichtung teilweise aus finanziellen Gründen der Mieter nicht zu erreichen. Diese Häuser sind auch heute noch im Wohnungsbestand unserer Genossenschaft und ebenfalls gut nachgefragt.

Anstelle der überwiegend nicht erfolgreichen Eigentumsmaßnahmen wurden auf den dafür ursprünglich vorgesehenen Grundstücken ab 1909 Mietshäuser gebaut. Bis in den 1. Weltkrieg hinein wurde die Bebauung an der fortgesetzt. Nach dem Weltkrieg 1914-1918 wurde die Verwaltung der Genossenschaft durch die einsetzende Inflation außerordentlich schwierig. Unsere Vorväter haben diese schwere Zeit mit viel Verstand und bewundernswertem Geschick überstanden.1923 konnte der damalige Vorstand erreichen, dass sämtliche Hypothekenschulden zurückgezahlt und die Häuser schuldenfrei wurden. Der Reingewinn in diesem Jahr betrug rund 233 Billionen Papiermark!

1925-1945

Eine kritische Situation trat 1925 ein. Damals konnten wegen sehr hohen bis 100 prozentigen Baukostenüberschreitungen und dadurch verursachten hohen Mieten die errichteten Wohnungen nur mit erheblichen Schwierigkeiten vermietet werden. Trotzdem wurden in diesem Jahr weitere Genossenschaftswohnungen an der Schulenburgstraße erstellt und für 9 Mitglieder Einfamilienhäuser an der Kampstraße gebaut. Die Mitgliederzahl war inzwischen auf 432 gestiegen und es war ein Jahresgewinn von 2.668,54 Mark im Jahre 1925 zu verzeichnen. In den folgenden Jahren 1926-1933 verhinderte die Wirtschaftskrise die Einstellung jeglicher Bautätigkeit.

Von denkwürdiger Bedeutung ist der 20. Juni 1932 !

An diesem Tag wurde die Anerkennung der Genossenschaft als „Gemeinnütziges Wohnungsunternehmen“ erreicht. Dieser Status erlegte der Genossenschaft gesetzlich verankerte Verpflichtungen auf, mit diesem erhielt sie aber auch Steuervorteile und die Möglichkeit, in staatliche Wohnungsmaßnahmen eingeschaltet zu werden. Bauplanungen zur Deckung des wieder entstandenen Wohnungsbedarfs scheiterten jedoch 1934-1936 an mangelnden Finanzierungsmitteln. 1936 beschloss die Mitgliederversammlung die Umbenennung in „Gemeinnützige Kreisbau – und Siedlungsgenossenschaft Lippstadt e.G.m.b.H“.

 Erst im Jahr 1937 wurde wieder ein größeres Bauprojekt durchgeführt. An der Weingartenstraße entstanden 24 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 1.2426 qm. Erstmals wurde die Genossenschaft im Jahr 1937 auch im Kreisgebiet des Altkreises Lippstadt tätig. Man begann mit den Vorbereitungen für den Bau eines Vierfamilienhauses und für weitere 9 Siedlerstellen an der Ehringerfelder Straße in Geseke.  Bis 1940, also dem 2. Jahr des Weltkrieges entstanden unter größten Schwierigkeiten 16 Häuser mit 80 Wohnungen an der Barbarossastraße. Die Baustoffbeschaffung, in dieser Zeit nur mit Bezugsschein möglich, erforderte unvorstellbar langwierige Verhandlungen und zwang oft zur Erreichung des Ziels auf unbekanntes Schleichwege. Bewundernswert war der Mut und die Zähigkeit der in dieser Zeit Verantwortung tragenden Personen, die trotz der bitteren Erfahrungen, die sie beim Bauen in den Kriegsjahren sammelten, beharrlich weiter planten. 1941 wurden mit dem Bau weiterer 56 Wohnungen begonnen. Diese konnten allerdings in der Kriegszeit nur in Etappen fertig gestellt und bezogen werden. Die Leistungen aller am Bau Beteiligten in der damaligen Zeit, in der selbstgebrannter Rübenschnaps eines der gängigsten Zahlungsmittel war, verdienen noch heute unsere Anerkennung. Das gilt aber auch insbesondere für die Anstrengungen, die unter diesen katastrophalen Bedingungen aufzubringen waren, um die Substanz des inzwischen angewachsenen Hausbesitzes instand zu halten.

1945-1970

Der totale Zusammenbruch am Ende des 2. Weltkrieges 1945 stellte die Genossenschaft als einziges ortsansässiges Wohnungsunternehmen vor ungeheuere Aufgaben. Aus den von unsrem Land abgetrennten Gebieten im Osten setzen sich Ströme von Vertriebenen und Flüchtlingen nach Westen in Bewegung, so auch in die Städte und Dörfer unseres Tätigkeitsgebietes, die ohnehin schon durch ausgebombte und evakuierte Landsleute aus dem Ruhrgebiet und sonstigen betroffenen Regionen überfüllt waren. Dem verständlichen Verlangen dieser Menschen nach einem Dach über dem Kopf war in vielen Fällen nur mit äußerster Kraftanstrengung beizukommen. Diese Probleme führten unvermeidbar oft zu psychischen Belastungen und Spannungen. Wohnungen mussten her! Die Genossenschaft stellte sich dieser Herausforderung. Mit dem Einsatz aller möglichen finanzielle Mittel und der zumeist unbezahlten Arbeitskraft der Mitarbeiter wurde oft auch in Sonntagsarbeit eine schnelle Realisierung von Bauvorhaben möglich gemacht. Die Enorme Ausweitung des Bauvolumens führte nicht nur zu einer außerordentlichen finanziellen Anspannung, sondern auch zu einer Überforderung des Personals. Mit der Einstellung eines Finanzierungssachbearbeiters, eines Architekten, einer Bauchhalterin und einer Sekretärin war die Geschäftsstelle im damaligen Kreishaus räumlich überlastet. Im Haus Rixbecker Straße 47 wurde eine Dreizimmerwohnung als Verwaltungsstelle eingerichtet.

In dieser Zeit stieg der Wohnungsbedarf im Tätigkeitsgebiet de Genossenschaft durch die Expansion der heimischen Industriebetriebe, aber auch durch den Flüchtlingsstrom aus der sowjetischen Besatzungszone, ins Unermessliche. Neben der Schaffung von Wohnraum in Mehrfamilienhäusern konnte die Genossenschaft vielen Menschen durch Zuweisung von Bauland die Bildung von Eigentum ermöglichen. Nach einer kurzen Beruhigungsphase in der Wohnungsmarktsituation etwa Mitte der sechziger Jahre stellte der Zustrom der Gastarbeiter die Genossenschaft vor neue Aufgaben. Die anhaltende Expansion der Großindustrie führte in Lippstadt zu einem überdurchschnittlichen Angebot an Arbeitsplätzen damit aber auch zu einem Engpass auf dem Wohnungsmarkt.

1970-2000

Bis etwa zum Ende der siebziger Jahre hielten sich Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt die Waage. Die Genossenschaft hatte bis zu der sich allmählich abzeichnenden Sättigung des Mietwohnungsbedarfs verstärkt dem Eigenheimbau mit Betreuungsbaumaßnahmen gewidmet. Mit dem Abschluss dieser Baumaßnahmen ging die Genossenschaft wegen der inzwischen eingetretenen völligen Übersättung des Wohnungsmarktes und der ruinösen Vermietungssituation in eine Phase baulicher Enthaltsamkeit. Das bedeutete aber keineswegs, dass man nun die Hände in den Schoß legen wollte, um auf bessere Zeiten zu warten. Durch die pausenlose Neubautätigkeit der vergangenen Jahre war in der Bestandsunterhaltung ein Defizit aufgelaufen, das es jetzt auszugleichen galt. Um marktfähige Wohnungen anbieten zu können, musste unbedingt ein Modernisierungsprogramm aufgelegt werden, mit dem ein zeitgemäßer Standard in der Ausstattung der Wohnungen erreicht werden konnte. Die technische Anpassung der Wohnhäuser an die novellierten Richtlinien des Baurechts und die förderungsrechtlichen Bestimmungen stellte die Genossenschaft vor kostenaufwendige Aufgaben. In den 80er –Jahren wurden an fast allen Gebäuden aus der vorstehenden erwähnten Zeit Maßnahmen durchgeführt, die zur Schaffung zeitgemäßen Wohnungsstandards beitrugen:

Im Wesentlichen waren dieses Dämmungen der Fassaden, Einbau von isolierverglasten Fenstern, Erneuerung und Dämmung von Dächern, Einbau von modernen Heizungen  bzw. Austausch veralteter Anlagen wie auch Sanierungen und Neuanlage von zeitgemäßen Bädern. Auch die Verbesserung des Wohnumfeldes in den weiter abgelegenen Wohngebieten, so in Suttrop, Rüthen, Geseke und in Warstein, war als greifende Maßnahme dieser Art anzusehen.

Im Jahr 1991 konnte unsere Genossenschaft nachdem sie sich in den Vorjahren ausschließlich Sanierungsmaßnahmen gewidmet hatte ein weiteres Neubauprojekt mit 12 Wohneinheiten beginnen, welches 1992 fertiggestellt wurde. In den kommenden Jahren wurden neben den stetigen Sanierungsmaßnahmen kontinuierlich auch Neubauten errichtet. In den Jahren 1994/1995 wurde mit dem Neubau von 12 Wohnungen Im Ried 44/46 ein Projekt besonderer Art in Angriff genommen und zwar mit Förderungsmitteln des Landes NRW für zukunftsweisendes Bauen. Bei dieser Maßnahme wurde neben der Berücksichtigung  der Interessen behinderter Menschen als künftige Mieter besonders die ökologisch/biologische Beurteilung durch die Bewilligungsbehörde zur Grundlage der technischen Planung.

Gleich im Anschluss an dieses gelungene und viel beachtete Objekt wurde im Jahr 1996 in Geseke in ähnlicher Art und Weise ein Haus mit 12 Wohnungen errichtet. Die Neubautätigkeit wurde in den Jahren 1998/1999 mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses an der Nußbaumallee fortgesetzt.  

Seit 2000

Nach dem Abschluss der Neubautätigkeit an der Nußbaumallee konzentrierte sich unsere Genossenschaft zunächst -wie in den 1980er Jahren- verstärkt auf die Sanierung, Instandhaltung und Modernisierung des älteren Wohnungsbestandes. Für die umfassenden Maßnahmen wurden in den Jahren ab 2000 jährlich zwischen 2,5 und 3,5 Mio. € ausgegeben.

In den Jahren 2007/2008 wurde dann ein weiteres Neubauprojekt umgesetzt und zwei 6-Familienhäuser an der Kestingstraße errichtet. Es wurde bei dem Projekt auf eine möglichst weitreichende Barrierearmut geachtet. Dieser Neubau war der Beginn einer verstärkten Berücksichtigung der Auswirkungen des demografischen Wandels. Diese fließen bis heute soweit möglich auch bei den umfassenden Sanierungs-, Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen in den Planungen mit ein. Viel Beachtung fanden dabei unsere Modernisierungsmaßnahmen an der Barbarossastraße. Nicht zuletzt auch durch ein Farbdesign, das teilweise den Bezug zwischen der Stadt Lippstadt und Kaiser Friedrich Barbarossa darstellt.     

Unser neuestes Bauprojekt ist der schon erwähnte bestandsersetzende Neubau an der Preußen- und Möllerstraße. Dort werden seit 2016 zwei Baukörper mit insgesamt 28 Wohnungen verschiedenster Größe errichtet und voraussichtlich im ersten Quartal 2018 fertiggestellt.

(Ein besonderer Dank für die Grundlage dieser geschichtlichen Zusammenfassung gebührt dem im Jahr 2016 verstorbenen ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied Bernhard Mehling. Ohne seine intensiven Recherchen wären viele geschichtliche Ereignisse  unserer Genossenschaft  inzwischen nicht mehr zu ermitteln und somit in Vergessenheit geraten.)